Berliner Denkmäler

SPIEL- ODER STANDBEIN DER MACHT? – DIE HOHENZOLLERN
– Eine malerische Dokumentation der Siegesallee –

UNSERE GOLDELSE UND MEHR…

Berlins Denkmäler sind das Sedimentgestein der Geschichte; wer sie für sich entdecken kann, wird einen Weg finden einzutauchen in das Reich der Fantasie. Wie im alten Rom liegen die Ruinen bloß; sie warten nur darauf gelesen zu werden. Die einst gefeierten, dann oft verdammten, verachteten und manchmal auch heiß geliebten Monumente können zum Leben erweckt werden mit einem Zauberstab; Pinsel und Farben von Neugier und sinnlicher Sehnsucht geführt, vollbringen Wunder. Ohne Scheu nähert sich Ilka A. Lörke den steinernen und bronzenen Relikten und fragt sie nach ihrer Botschaft. Sie zaust sie und kost sie; sie nutzt ihre Aura als Rutschbahn in die Vergangenheit. Was sie dort erlebt, dringt mit ihren Bildern farbensatt und formenreich in die Gegenwart. Ohne Vorurteile wird die berühmte und auch berüchtigte Siegessäule mit ihrer Kanonenzier ins Visier genommen, zerlegt, neu zusammengefügt. Ilka A. Lörke hat keine Angst vor den stolzen und martialischen Gesten der glänzenden Viktorien und der marmornen Fürsten, den auf Panthern und Löwen reitenden Putten und auftrumpfenden Wahrzeichen wie dem Fernsehturm, diesem Künder eines untergegangenen Staates. Berlin reißt einem die Maske vom Gesicht, sagt die Malerin und erfindet sich neu, erobert sich die in reicher Schüttung dargebotenen Schichten einer geschichtssatten Stadt. Ilka A. Lörke lässt den Kunstfreund an ihren Entdeckungen teilhaben. Am Beginn einer geplanten Katalogreihe stehen sorgsam ausgewähnte Werke aus dem Zeitraum von 2008 bis 2010. Die mit beispielsweise 135 x 150, 150 x 70 oder 230 x 180 cm nicht kleinformatigen Arbeiten sind in einem emotionsgeladenen, sich teilweise über viele Monate hinziehenden Entwicklungsprozess entstanden. Die technische Grundlage sind Acrylfarben auf Leinwand, teils mit Pigmenten versetzt, geschichtet oder auch ausdrucksstark geschliffen. Der thematischen Tiefenschürfarbeit entspricht die vielgestaltige Tektonik des Farbauftrags.

Dr. Jörg Kuhn, Kunsthistoriker